Liederjan
am Himmelfahrtstag auf dem Marktplatz Wie immer an Himmelfahrt
findet auf dem historischen Marktplatz in Wächtersbach der traditionelle
Kunsthandwerkermarkt statt. Nicht nur die Stände mit den verschiedensten
kunsthandwerklichen Arbeiten und das Kinderprogramm soll Publikumsmagnet sein.
Der Kleinkunstkreis Märzwind verpflichtete für das Begleitprogramm ab
14 Uhr die bekannte Folkgruppe Liederjan aus Hamburg. Zu den nachhaltigen Eindrücken
eines Konzerts von Liederjan gehört die Erkenntnis, dass da vorn auf der
Bühne drei Musiker munter gegen den Strich bürsten. In einer Welt, in
der man Musik meist bestimmten Kategorien zuordnen kann, fällt Liederjan
aus dem Rahmen. Sind die drei kreativen Nordlichter eigentlich Folksänger,
Liedermacher, Entertainer oder gar Komödianten? Die Schubladen bleiben zu,
denn die Antwort lautet: von allem etwas. Jörg Ermisch, Hanne Balzer
und Michael Lempelius verrühren ungeniert die unterschiedlichsten musikalischen
Zutaten und servieren überraschende Kreationen. Jeder dieser klingenden Cocktails
ist stilistisch ein Unikat. Das hat nicht nur mit den Melodien und Texten zu tun,
sondern auch mit ausgefeiltem, astreinem Satzgesang und der Vielfalt an Instrumenten.
Denn, was die drei da vor ihren Auftritten aus dem Tourbus auf die Bühne
schleppen, entspricht dem Inventar einer kleinen Musikalienhandlung. Zu Gitarre,
Mandoline, Flöte und Akkordeon gesellen sich Saxophon, Posaune, Cello Bouzouki
und Tuba, zuzüglich exotischer Geräte wie singende Säge und Teufelsgeige.
Die ständig wechselnden ungewöhnlichen Kombinationen machen den Auftritt
der Musikanten von der Waterkant auch zu einer heiteren Instrumentenkunde. Bei
Liederjan-Konzerten gibt es nicht nur kräftig eins auf die Ohren, auch balladeskruhige
und melodiöse Stücke haben ihren Platz im Programm. Wobei die Breite
des Themenbogens durchaus der bunten Instrumentenpalette entspricht: Mal sind
die Texte lustig bis skurril, dann wieder nachdenklich und ganz schön bissig.
Die belesenen Spottdrosseln nehmen den Zeitgeist auf die Schippe, enttarnen Widersprüche,
führen menschliche Schwächen vor oder erzählen in bester Liedermachermanier
kleine Geschichten, die das Leben schrieb. Das Ganze hochprofessionell, bestens
aufeinander eingespielt und mit sichtlichem Spaß.
Das
Schwein im Fahrstuhl: Gelungene Lesung mit Jutta Wilke - Viertklässler waren
eingeladen Wächtersbach (...). Fünf Kinder hat Jutta Wilke,
49 Jahre ist sie alt - und seit kurzem kennt sie in Wächtersbach und Brachttal
jeder Viertklässler: Auf Einladung der Wächtersbacher Altstadt-Buchhandlung
Dichtung & Wahrheit las die fröhliche Autorin in der von Schulleiter
Gerhard Gleis zur Verfügung gestellten Aula der Friedrich-August-Genth-Schule
aus ihrem neuen Buch "Florentine oder wie man ein Schwein in den Fahrstuhl
kriegt". Die Buchhandlung wiederum hatte die Lesung im Rahmen der Aktion
"Lesereise" gewonnen, die alljährlich rund um den Welttag des Buches
veranstaltet wird. Eingeladen waren die vierten Klassen der Grundschule Brachttal
und der Wächtersbacher Grundschule Kinderbrücke. Jutta Wilke,
von der zahlreichen Zuhörerschar überrascht und begeistert, beließ
es nicht beim Lesen, sondern nahm - immer im Wechsel mit Lesungspassagen - ihr
Publikum mit auf eine Reise durch die Entstehungsgeschichte eines Buches. Abgefangen
wird mit der Suche nach Ideen für den nächsten Text, wobei Wilke da
eine sehr eigenwillige Methode nutzt: "Ich schau unter den Betten meiner
Kinder nach, da kommt mir immer eine gute Idee", berichtet sie - und hat
für die Kinder den Rat: "Wenn ihr mal in eure Brotdosen guckt, die ihr
vor den Osterferien vergessen habt, zu leeren, da könnt ihr mir glauben,
kriegt ihr richtig tolle Ideen für Horrorgeschichten." Und diese
Ideen sollten die Kinder am besten gleich schriftlich festhalten, "sonst
sind sie ganz schnell weg." Damit ihr das nicht passiert, hat die Autorin
stets ein dickes Einschreibebuch bei sich, in das ihre Ideen schnell notiert werden.
Vom Verlag, der Arbeit eines Lektors, den Mühen bei der wiederholten Fehlersuche
im eigenen Text weiß die Schriftstellerin zu berichten - und gerade der
letzte Punkt entlockt ihr wiederum einen Rat für die Kinder: "Wenn ihr
in einem Text, den ihr selbst geschrieben habt, nach Fehlern sucht, dann lest
ihn nicht in der richtigen Reihenfolge, sondern einfach die Zeilen durcheinander.
Dann ergeben die Sätze keinen Sinn mehr, und ihr könnt euch komplett
auf die richtige Schreibweise der Wörter konzentrieren", so die Autorin.
Laminierte Seiten, auf denen die Kinder die Illustrationen von Patrick Wirbeleit
betrachten können, wurden ebenso zwischen den Stuhlreihen weitergereicht,
wie Korrekturfahnen und Manuskriptseiten - die Autorin verstand es großartig,
ihre verbalen Ausführungen mit Material zum Anschauen zu unterfüttern. Fehlerfrei
und spannend zu lesen - so soll das perfekte Buch am Ende sein. Ein Anspruch,
den Wilkes Buch "Florentine" in den Augen der Kinder offenkundig erfüllte.
So lauschten sie aufmerksam den Abenteuern von Clemens, der - nachdem sein Fisch,
Herr Ludenscheid, tot ist - Florentine, eine ziemlich verfressene Sau, in Mamas
Blumenbeet entdeckt. Erfreulicherweise entdecken es seine Eltern nicht, und so
beginnt die Suche nach einem geeigneten Versteck. Der Schulhof ist das auf Dauer
nicht - aber auf dem Balkon seines Freundes Erdal sollte sich doch zwischen den
acht Geschwistern, dem immermüden Opa und der fernsehsüchtigen Oma noch
ein Plätzchen finden... Donnernder Applaus dankte der Autorin für
die Lesung - und als Buchhändlerin Andrea Euler auch noch Signaturen auf
den Büchern und den ausgelegten Lesezeichen ankündigte, gab es für
die Kinder kein Halten mehr: Mehr als hundert Unterschriften mußte die Autorin
leisten, bevor ihre Zuhörerschaft zufrieden die Aula verließ.
Bücherlieferung
im "gelben Trikot": Wächtersbacher Buchhändler besucht seine
Kunden mit dem Rennrad
Mit
einem neuen Angebot macht die Wächtersbacher Altstadt-Buchhandlung Dichtung
& Wahrheit über die Stadtgrenzen hinaus auf sich aufmerksam: Mit-Inhaber
Stephan Siemon beliefert seine Kunden mit dem Rennrad - persönlich und klimaneutral.
Die Ansage der Buchhandlung an die Kunden: "Für Sie ist uns kein Berg
zu steil!" "Entscheidend ist für mich, daß die Sache
allen Beteiligten Spaß machen soll. Sicher: Ein positiver Nebeneffekt ist
für manchen gewiß der CO-neutrale und damit ökologisch einwandfreie
Lieferweg von der Buchhandlung bis nach Hause. Darüber hinaus ist für
unsere Kunden der persönliche Lieferservice per Rennrad hoffentlich eine
tolle Dienstleistung. Und ich selbst freue mich schon darauf: Denn ich fahre unheimlich
gern Fahrrad. Und so ist der Lieferservice für mich ein gutes Training!",
sagt der sportliche Buchhändler, der schon einige Touren hinter sich hat. Das
Angebot richtet sich an Kundinnen und Kunden aus Biebergemünd, Birstein,
Brachttal und natürlich aus Wächtersbach. Zusätzliche Kosten werden
der Kundschaft nicht entstehen. Berechnet wird lediglich die Ware. Entstanden
ist die Idee aus zahlreichen Gesprächen mit dem Publikum im Buchladen in
der Wächtersbacher Altstadt. Viele Kunden möchten einerseits die Funktionalität
von Mail, Internet und Liefer-Service nicht missen, wollen aber trotzdem die Einzelhandels-Landschaft
erhalten und ihre Bücher am Ort kaufen. Dazu der Buchhändler: "Die
Welt ändert sich - besonders auch im Einzelhandel. Man muß seinen Laden
immer wieder neu erfinden." Und das versuchen der Buchhändler und
seine Partnerin Andrea Euler, die mittlerweile seit 15 Jahren in Wächtersbach
mit ihrer Buchhandlung zu Hause sind, immer wieder - nicht nur mit diesem Angebot,
sondern auch mit Aktionen rund um den Apfelwein, mit Lesungen, mit Veranstaltungen
in Schulen. Klagen über die "böse Konkurrenz" auf der grünen
Wiese oder aus dem Internet wird man aus der Altstadt-Buchhandlung nicht hören.
"Wir sehen den Wettbewerb sportlich", so Stephan Siemon selbstbewußt.
"Ich trage das gelbe Trikot - denn unser Angebot kann auch der größte
Internet-Anbieter nicht toppen." Alle Infos: www.mkk-books.de Wandern
mit Gerhard Jahn: Wächtersbacher Geschichte erleben
Sieben
Wanderungen rund um Wächtersbach beschreibt der Vorsitzende des Wächtersbacher
Heimat- und Geschichtsvereins, Gerhard Jahn, in seinem soeben erschienenen Buch
"Heimatkundlich-erdgeschichtliche Wanderungen um Wächtersbach".
Das Werk ist mehr als ein Wanderführer: Jahn zeichnet anhand topographischer
Karten zum einen den Wanderweg nach, er zeigt aber auch die an der Strecke liegenden,
geschichtlich interessanten Punkte auf und beschreibt sie anhand historischer
und aktueller Fotos. So wird der Blick des heimatkundlich interessierten Wanderers
etwa auf Grenz- und Gedenksteine, historisch interessante Gebäude, alte Flurbezeichnungen
und auf Naturdenkmäler gelenkt. Selbst für Kenner ist es verblüffend,
wie viele, teils verborgene Schätze in der Wächtersbacher Umgebung Jahn
hier gehoben hat. Tip: Wanderschuhe anziehen und die Wanderungen nachvollziehen.
Auch das fällt leicht. Gerhard Jahn hat Parkmöglichkeiten, die Länge
des Wanderweges und die zu bewältigenden Höhenunterschiede in sein Werk
aufgenommen. Nebenbei ist das Buch auch unterhaltsam, wenn Jahn etwa die Seilbahn
der Mitteldeutschen Hartstein-Industrie beschreibt - und was passierte, wenn man
die leeren Loren zum "Schwarzfahren" benutzte... Fazit: Ganz sicher
ein tolles Geschenk für alle "Neu-Wächtersbacher" - und für
all jene, die glauben, alles über ihre Heimat zu wissen. Beziehen kann
man das Buch "Heimatkundlich-erdgeschichtliche Wanderungen um Wächtersbach"
zum Preis von 15 Euro direkt bei Gerhard Jahn oder in der Buchhandlung "Dichtung
& Wahrheit" in der Wächtersbacher Altstadt. Es ist im Rahmen der
"Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach" beim Heimat- und Geschichtsverein
erschienen. (sts).
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